12. Juni - 02. Juli 2026

Namibia 2026

Ein Land, das immer wieder begeistert.

Part 2

Inhalt

23.06.26

Von Etosha ins Damaraland

Der Tag beginnt früh mit einer letzten Pirschfahrt durch den westlichen Teil des Etosha Nationalparks. Die Morgenstunden gehören den Tieren – und heute werde ich nicht enttäuscht.
Schon nach kurzer Zeit entdecke ich eine Gruppe Hyänen an einem frischen Riss. Rundherum warten zahlreiche Aasgeier geduldig auf ihre Gelegenheit. Es ist einer dieser Momente, die zeigen, wie die Natur wirklich funktioniert. Nicht spektakulär inszeniert, sondern ehrlich und manchmal auch rau. Für viele Besucher vielleicht ungewohnt, für den Nationalpark aber ein ganz normaler Teil des natürlichen Kreislaufs.

Nach der Safari verlasse ich Etosha und fahre zurück ins Damaraland. Das Ziel für heute ist die Hoada Campsite, von der ich schon viel Gutes gehört habe.

Und tatsächlich – bereits bei der Ankunft wird klar, warum dieser Campingplatz so viele Fans hat. Die wenigen Stellplätze liegen mitten zwischen riesigen Granitbouldern und sind so geschickt angelegt, dass jeder seinen ganz privaten Bereich hat. Besonders beeindruckend sind die Sanitäranlagen: Dusche und Toilette wurden direkt zwischen die Felsen integriert und fügen sich perfekt in die Landschaft ein. Das warme Wasser kommt aus einem traditionellen Donkey-Boiler, der morgens und abends vom freundlichen Team angeheizt wird – ein kleines Detail, das den Aufenthalt noch besonderer macht.

Am Nachmittag schnüre ich noch einmal die Wanderschuhe und erkunde die faszinierende Boulderlandschaft rund um die Campsite. Gewaltige, rund geschliffene Granitfelsen liegen scheinbar wahllos übereinander und bilden kleine Schluchten, Aussichtspunkte und schattige Plätze. Dazwischen wachsen Mopane-Bäume, Büsche und vereinzelt uralte Commiphora-Bäume. Mit jedem Schritt eröffnen sich neue Perspektiven – eine Landschaft, die fast ein wenig an ein natürliches Labyrinth erinnert.

Zurück im Camp wartet bereits das nächste Highlight. Hoch oben auf einem Felsen befinden sich ein kleiner Pool und die Sundowner-Bar. Zuerst geht es zur Abkühlung ins Wasser, anschließend genieße ich mit einem Gin Tonic in der Hand den Sonnenuntergang. Langsam färben sich die Granitfelsen in warme Rot- und Orangetöne, bevor die Sonne hinter dem Horizont verschwindet.

Der Tag endet genauso entspannt, wie er begonnen hat – mit einem Braai unter dem klaren Sternenhimmel Namibias. Es gibt Campingplätze, die sind einfach nur praktisch. Und dann gibt es Orte wie die Hoada Campsite, an denen man am liebsten noch ein paar Tage länger bleiben würde.

Das Hoada Campsite gehört für uns zu den absoluten Highlights unter Namibias Campingplätzen. Mitten im Damaraland wurden die einzelnen Stellplätze behutsam zwischen gewaltigen Granitfelsen angelegt und fügen sich so harmonisch in die Landschaft ein, als wären sie schon immer Teil davon gewesen. Jeder Stellplatz bietet viel Privatsphäre und verfügt über einen eigenen Sanitärbereich mit Open-Air-Dusche – Campingkomfort auf höchstem Niveau, ohne den ursprünglichen Charakter der Umgebung zu verlieren.

Rund um das Camp erstreckt sich die faszinierende Landschaft des Damaralands mit ihren endlosen Ebenen, markanten Felsformationen und trockenen Flusstälern. Mit etwas Glück begegnet man auf Ausflügen den berühmten Wüstenelefanten, Giraffen, Oryxantilopen oder einer Vielzahl an Vogelarten. Auch die Felsgravuren von Twyfelfontein, der Versteinerte Wald oder der Burnt Mountain sind von hier aus gut zu erreichen.

Doch das eigentliche Highlight ist die besondere Atmosphäre des Camps. Sobald die Sonne langsam hinter den Felsen verschwindet, taucht das warme Abendlicht die Granitblöcke in intensive Rot- und Goldtöne. Mit Einbruch der Dunkelheit übernimmt die Stille der afrikanischen Wildnis, während sich über einem einer der klarsten Sternenhimmel der Welt spannt. Am knisternden Lagerfeuer zu sitzen und diese einzigartige Kulisse zu genießen, gehört zu den Momenten, die eine Reise durch Namibia unvergesslich machen.

24.06.26

Palmwag / Granitkop - Ein Tag voller Highlights

Es gibt diese Tage auf Reisen, an denen einfach alles zusammenkommt. Die Landschaft, die Begegnungen, die kleinen Herausforderungen und die besonderen Orte. Heute ist genau so ein Tag.

Der Morgen beginnt auf der Hoada Campsite. Noch bevor die Sonne richtig über den Horizont klettert, sitze ich mit einer Tasse Kaffee da und beobachte, wie die ersten Sonnenstrahlen das Damaraland in warmes Licht tauchen. Es sind diese ruhigen Momente, die man nicht planen kann und die trotzdem oft zu den schönsten einer Reise gehören.

Kurz darauf wartet bereits das nächste Highlight: die Fahrt über den Grootberg Pass. Die Straße schlängelt sich spektakulär den steilen Hang hinunter und eröffnet immer wieder neue Ausblicke auf die endlose Weite des Damaralandes. Selbst nach vielen Reisen durch das südliche Afrika gibt es noch Orte, die mich staunen lassen.

Hinter dem Pass führt die Route weiter auf der C39. Für mich gehört sie zu den schönsten Straßen Namibias. Weite Ebenen wechseln sich mit zerklüfteten Bergen ab, trockene Flussbetten durchziehen die Landschaft und hinter jeder Kurve wartet ein neues Panorama. Kilometer um Kilometer fahre ich durch eine Gegend, die gleichzeitig rau, wild und faszinierend wirkt.

Dann holt mich die Realität des Overlander-Lebens ein: ein durchschnittener Reifen. Mitten im Nirgendwo. Noch bevor ich richtig mit dem Wechsel beginne, taucht ein Junge namens Hamin von einer nahegelegenen Farm auf. Ohne große Worte packt er mit an und zeigt schnell, dass er solche Situationen nicht zum ersten Mal erlebt. Während ich noch Werkzeug zusammensuche, sitzen die Handgriffe bei ihm längst perfekt. Wieder einmal eine dieser Begegnungen, die eine Reise besonders machen.

Der Reifen ist schnell gewechselt, doch damit entsteht ein neues Problem: Mein einziger Ersatzreifen ist nun im Einsatz. Und während der Reise wurde mir inzwischen bestimmt zehnmal erklärt, dass man in Namibia niemals mit nur einem Ersatzrad unterwegs sein sollte. Spätestens jetzt verstehe ich, warum.

Also rufe ich auf der Granitkop Campsite an, um nach einer Lösung zu fragen. Die Antwort kommt sofort: „Fahr zur Twyfelfontein Lodge, die liegt ohnehin auf deinem Weg. Dort gibt es eine Werkstatt – vielleicht können sie dir helfen.“

Mit einer Portion Hoffnung mache ich mich auf den Weg Richtung Twyfelfontein. Dort wartet tatsächlich die nächste positive Überraschung. Bei der Werkstatt der Lodge haben sie sogar genau den passenden Reifen auf Lager. Wenig später ist nicht nur der beschädigte Reifen ersetzt, sondern auch mein zweites Ersatzrad wieder gesichert. Dazu gibt es gleich noch eine Tankstelle nebenan. Problem gelöst, Abenteuer kann weitergehen.

Am späten Nachmittag erreiche ich die Granitkop Campsite. Ein kleiner, fast versteckter Platz mit nur fünf Stellplätzen, die rund um einen markanten Granitfelsen verteilt sind. Jeder Platz verfügt über eine eigene Dusche, Toilette und Außenküche. Die Abstände sind so großzügig, dass man fast vergisst, dass es überhaupt Nachbarn gibt.

Als die Sonne langsam untergeht, färbt sich der Granitfelsen in leuchtende Orange- und Rottöne. Nach einer Dusche unter freiem Himmel knistert das Lagerfeuer vor dem Camp, während über mir einer der klarsten Sternenhimmel erscheint, die Namibia zu bieten hat.

Der Tag hat alles: großartige Landschaften, unerwartete Begegnungen, kleine Herausforderungen und einen dieser besonderen Campingplätze, die man am liebsten geheim halten würde.
Genau deshalb liebe ich das Reisen im südlichen Afrika.

Die Granietkop Campsite liegt mitten in der faszinierenden Landschaft des Erongo-Gebirges und ist ein echter Geheimtipp für alle, die Namibia abseits der bekannten Touristenrouten erleben möchten. Gewaltige, rund geschliffene Granitfelsen prägen die Landschaft und verleihen diesem Teil des Landes einen ganz besonderen Charakter. Die großzügigen Stellplätze fügen sich harmonisch in die Natur ein und bieten viel Ruhe und Privatsphäre – ideale Voraussetzungen, um einfach einmal abzuschalten und die einzigartige Umgebung zu genießen.

Das Erongo-Gebirge ist ein Paradies für Naturliebhaber und Fotografen. Direkt vom Campingplatz aus lassen sich Wanderungen zwischen den imposanten Felsformationen unternehmen, bei denen man mit etwas Glück Klippspringer, Kudus, Paviane oder eine Vielzahl an Vogelarten beobachten kann. Immer wieder eröffnen sich beeindruckende Ausblicke über die zerklüftete Berglandschaft, die je nach Tageszeit in unterschiedlichen Farben leuchtet.

Besonders magisch sind die Morgen- und Abendstunden. Während die aufgehende Sonne die Granitkuppen in ein sanftes Licht taucht, verwandelt der Sonnenuntergang die Landschaft in ein spektakuläres Farbenspiel aus Gold-, Orange- und Rottönen. Sobald es dunkel wird, breitet sich eine wohltuende Stille aus, die nur vom Zirpen der Grillen oder den Rufen der Nachtvögel unterbrochen wird. Wer den Abend am Lagerfeuer unter einem funkelnden Sternenhimmel verbringt, versteht schnell, warum das Erongo-Gebirge für viele zu den schönsten Landschaften Namibias zählt. Granitkop ist ein Ort zum Durchatmen, Entschleunigen und Genießen – und einer, den man nur ungern wieder verlässt.

25.06.26

Entspannter Tag am Brandberg
Nach den vielen Eindrücken der vergangenen Tage geht es heute etwas ruhiger zu. Die Fahrt führt mich zum Brandberg, dem höchsten Berg Namibias und einem der bekanntesten Wahrzeichen des Damaralandes. Schon von Weitem ist das gewaltige Bergmassiv zu sehen. Je näher ich komme, desto beeindruckender wirkt der Brandberg. Seine Granitflanken ragen markant aus der ansonsten flachen Landschaft empor und verändern je nach Sonnenstand ihre Farbe. Besonders zum Sonnenuntergang leuchten die Felsen in intensiven Rot- und Orangetönen – daher stammt auch der Name „Brandberg“.

Brandberg

Der Brandberg ist mit 2.573 Metern der höchste Berg Namibias und erhebt sich rund 2.000 Meter über die umliegende Wüstenlandschaft. Das gewaltige Granitmassiv entstand vor etwa 130 Millionen Jahren, als geschmolzenes Magma tief unter der Erdoberfläche langsam abkühlte. Erst durch Millionen Jahre der Erosion wurde der heutige Berg freigelegt.

Seinen Namen erhielt der Brandberg von den frühen europäischen Entdeckern, da die Granitfelsen bei Sonnenauf- und besonders bei Sonnenuntergang in kräftigen Rot- und Orangetönen „zu brennen“ scheinen. Die Damara nennen den Berg Dâures, was so viel wie „brennender Berg“ bedeutet.

International bekannt ist der Brandberg vor allem wegen seiner mehr als 45.000 Felsmalereien. Die berühmteste ist die sogenannte White Lady, eine etwa 2.000 Jahre alte Felszeichnung in der Tsisab-Schlucht. Heute geht man davon aus, dass sie einen Schamanen oder Jäger darstellt und nicht – wie der Name vermuten lässt – eine weiße Frau.

Der Brandberg gehört außerdem zu den artenreichsten Gebirgen Namibias. Trotz des trockenen Klimas leben hier Klippspringer, Paviane, Leoparden und mit etwas Glück sogar die seltenen Wüstenelefanten in den umliegenden Trockenflüssen.

Wer den Brandberg besucht, sollte sich Zeit nehmen. Es geht nicht nur um den höchsten Gipfel Namibias, sondern um eine Landschaft voller Geschichte, einzigartiger Natur und beeindruckender Stille.

Der Hinweis auf die 45.000 Felszeichnungen und die White Lady ist für Besucher besonders interessant, da viele den Brandberg genau deshalb ansteuern.

Mein Ziel ist die White Lady Brandberg Campsite, die direkt am Fuße des Berges liegt. Der Campingplatz ist großzügig angelegt, schattig und bietet einen perfekten Ausgangspunkt für Wanderungen und Ausflüge in die Umgebung.

Heute steht allerdings bewusst einmal nichts Großes auf dem Programm. Nach den vielen Kilometern und Erlebnissen der letzten Tage genieße ich einfach die Ruhe. Ein Kaffee, ein gutes Buch und der Blick auf den mächtigen Brandberg – manchmal braucht es nicht mehr.

Für Unterhaltung sorgen die kleinen Bewohner der Campsite. Mehrere Erdmännchen flitzen neugierig zwischen den Stellplätzen umher, stellen sich immer wieder auf die Hinterbeine und beobachten aufmerksam ihre Umgebung. Es macht richtig Spaß, ihnen eine Zeit lang zuzusehen.

Am Abend kehrt die typische Ruhe des Damaralandes zurück. Die Sonne verschwindet langsam hinter dem Brandberg, das Lagerfeuer knistert und über dem Camp erscheint erneut einer der beeindruckendsten Sternenhimmel Afrikas.

Am Fuße des mächtigen Brandbergs, mit über 2.500 Metern Namibias höchstem Berg, liegt die Brandberg White Lady Lodge & Campsite in einer beeindruckenden Kulisse aus schroffen Felsen, weiten Trockenflusstälern und uralten Granitformationen. Schon bei der Ankunft spürt man die besondere Atmosphäre dieses geschichtsträchtigen Ortes, der nicht nur landschaftlich, sondern auch kulturell zu den Highlights des Damaralands zählt.

Es lohnt sich, einfach die Ruhe der Umgebung zu genießen. In den frühen Morgenstunden taucht das erste Sonnenlicht den Brandberg in warme Rot- und Goldtöne, während am Abend die untergehende Sonne den Berg spektakulär zum Leuchten bringt. Die wechselnden Lichtstimmungen machen den Brandberg zu einem Paradies für Fotografen.

Mit etwas Glück begegnet man in den trockenen Flusstälern sogar den berühmten Wüstenelefanten, die sich perfekt an die lebensfeindlichen Bedingungen angepasst haben. Auch Oryxantilopen, Kudus, Paviane und zahlreiche Vogelarten sind in der Umgebung heimisch. Nach einem erlebnisreichen Tag lädt der Pool der Lodge zur Abkühlung ein, bevor man den Abend entspannt am Lagerfeuer oder im Restaurant ausklingen lässt. Die Kombination aus beeindruckender Landschaft, spannender Geschichte und der einzigartigen Tierwelt macht die Brandberg White Lady Lodge & Campsite zu einem unvergesslichen Stopp auf jeder Namibia-Reise.

26.06.26

Mystische Stimmung an der Spitzkoppe

Heute führt die Reise zu einem meiner absoluten Lieblingsorte in Namibia – der Spitzkoppe.
Schon von Weitem tauchen die markanten Granitfelsen aus der Ebene auf. Je näher ich komme, desto beeindruckender wirkt dieses gewaltige Massiv. Das Wetter sorgt heute für eine ganz besondere Stimmung: Dunkle Wolken ziehen über die Berge, während gleichzeitig die Sonne immer wieder einzelne Felsen in ein warmes Licht taucht. Dieses Wechselspiel macht die Landschaft fast mystisch.

Spitzkoppe

Die Spitzkoppe wird oft als das „Matterhorn Namibias“ bezeichnet. Der markante Granitgipfel ragt rund 700 Meter aus der umliegenden Ebene empor und erreicht eine Höhe von 1.728 Metern über dem Meeresspiegel.

Das Granitmassiv entstand vor rund 120 Millionen Jahren und zählt zu den ältesten freiliegenden Gesteinsformationen Namibias. Über Millionen von Jahren haben Wind und Wasser die beeindruckenden Felsen, Kuppen und natürlichen Bögen geformt, für die die Spitzkoppe heute bekannt ist.

Das Gebiet ist ein Paradies für Wanderer, Fotografen und Kletterer. Besonders beliebt sind der berühmte Rock Arch, zahlreiche Aussichtspunkte sowie die vielen prähistorischen Felsmalereien der San, die an verschiedenen Stellen rund um die Spitzkoppe zu finden sind.

Mein Ziel ist das Spitzkoppe Community Camp. Statt klassischer Campingreihen erwarten Besucher großzügige, naturnahe Stellplätze, die harmonisch zwischen den Granitfelsen verteilt sind. Genau diese außergewöhnliche Lage macht das Camp zu einem der schönsten und beliebtesten Campingplätze Namibias.

Wie schon bei meinem letzten Besuch habe ich das Glück, wieder den Stellplatz 9A zu bekommen – für mich einer der schönsten Plätze des gesamten Camps.

Das Besondere an der Campsite ist ihre Lage. Die Stellplätze liegen weit voneinander entfernt und schmiegen sich direkt zwischen die riesigen Granitfelsen. Jeder Platz wirkt wie eine kleine, private Bucht aus Stein. Es gibt keine Zäune, keine künstlich angelegten Gärten und kaum sichtbare Nachbarn. Stattdessen ist man von den gewaltigen Felsen umgeben und hat das Gefühl, mitten in der Natur zu campen. Gerade am Abend, wenn das Licht langsam weicher wird, entsteht eine Atmosphäre, die man so kaum irgendwo anders findet.

Natürlich halte ich es nicht lange am Camp aus. Ich schnüre die Laufschuhe und mache mich auf eine kleine Trailrun-Runde zum berühmten Rock Arch. Der Trail führt über glatte Granitplatten, durch schmale Felsspalten und vorbei an beeindruckenden Felsformationen. Hinter jeder Ecke eröffnet sich ein neues Fotomotiv. Die Spitzkoppe ist nicht nur ein Paradies für Fotografen, sondern auch ein fantastisches Gebiet für kurze Wanderungen oder Trailruns.

Als die Sonne langsam untergeht, verändert sich die Stimmung erneut. Dichter Nebel zieht überraschend zwischen den Felsen auf und hüllt die Spitzkoppe in eine geheimnisvolle Atmosphäre. Die Konturen der Berge verschwinden langsam im Grau, während die letzten Sonnenstrahlen einzelne Granitwände noch einmal zum Leuchten bringen. Ein Anblick, den man hier nur selten erlebt.

Der Tag endet ruhig am Lagerfeuer. Zwischen den Felsen wird es still, und einmal mehr zeigt die Spitzkoppe, warum sie für viele als einer der magischsten Orte Namibias gilt.

Schon bei der Anfahrt wird klar, warum die Spitzkoppe zu den beeindruckendsten Landschaften Namibias zählt. Wie eine riesige Granitinsel erhebt sich das markante Bergmassiv aus der weiten Ebene und ist bereits aus großer Entfernung sichtbar. Die gewaltigen, rund geschliffenen Felsen, die im Laufe von Millionen Jahren entstanden sind, verleihen diesem Ort eine fast surreale Atmosphäre und machen ihn zu einem der beliebtesten Fotomotive des Landes.

Die Campingplätze verteilen sich großzügig zwischen den imposanten Felsformationen und bieten viel Privatsphäre. Jeder Stellplatz fühlt sich an, als hätte man sein eigenes kleines Stück Wildnis für sich allein. Es gibt kaum künstliches Licht oder störende Geräusche – stattdessen genießt man die Ruhe der Natur, spektakuläre Ausblicke und das Gefühl, mitten in einer einzigartigen Landschaft zu übernachten.

Tagsüber laden zahlreiche Wanderwege dazu ein, die faszinierenden Granitformationen zu erkunden. Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten gehören der berühmte Rock Arch, versteckte Felsenpools und uralte Felsmalereien der San. Immer wieder eröffnen sich neue Perspektiven auf die umliegende Landschaft, die Fotografen und Naturliebhaber gleichermaßen begeistern.

Besonders magisch sind jedoch die Stunden rund um Sonnenauf- und Sonnenuntergang. Dann färben sich die Granitfelsen in intensive Rot-, Orange- und Goldtöne und verändern mit jedem Augenblick ihr Aussehen. Sobald die Dunkelheit hereinbricht, spannt sich einer der beeindruckendsten Sternenhimmel Namibias über das Camp. 

Fernab jeder Lichtverschmutzung ist die Milchstraße mit bloßem Auge in ihrer ganzen Pracht zu erkennen – ein Anblick, den man so schnell nicht vergisst. Genau diese Kombination aus spektakulärer Landschaft, absoluter Ruhe und einzigartiger Atmosphäre macht die Spitzkoppe für viele Reisende zu einem der schönsten Campingplätze des Landes.

27.06.26

Von den Granitfelsen ans Meer
Der Morgen beginnt noch einmal an einem der schönsten Orte Namibias. Bevor ich die Spitzkoppe verlasse, geht es ein letztes Mal zum berühmten Rock Arch. Diesmal zeigt sich das Wetter von seiner besten Seite. Die Sonne taucht die Granitfelsen in ein warmes Licht und der natürliche Felsbogen wirkt noch beeindruckender als am Vortag. Ein perfekter Abschluss, bevor die Reise weitergeht.

Anschließend führt die Route Richtung Atlantikküste. Mit jedem Kilometer verändert sich die Landschaft. Die Berge verschwinden langsam im Rückspiegel und machen Platz für die weiten Ebenen der Namib-Wüste, bis schließlich das Meer am Horizont auftaucht.

Am Nachmittag erreiche ich Swakopmund – für viele die wohl ungewöhnlichste Stadt Namibias. Nach Tagen in der Wildnis fühlt sich das bunte Treiben fast schon ungewohnt an.

Swakopmund

Swakopmund liegt an der Atlantikküste Namibias, dort wo die Namib-Wüste direkt auf das Meer trifft. Die Stadt wurde 1892 während der deutschen Kolonialzeit gegründet und gilt bis heute als die „deutscheste“ Stadt Namibias. Viele historische Gebäude, Straßennamen, Cafés und Bäckereien erinnern noch an diese Zeit.

Heute ist Swakopmund eines der beliebtesten Reiseziele des Landes. Die Stadt verbindet koloniale Architektur mit modernen Restaurants, gemütlichen Cafés und einer lebendigen Promenade. Gleichzeitig ist sie der ideale Ausgangspunkt für zahlreiche Aktivitäten wie Dünenfahrten, Sandboarding, Quad-Touren, Kajak-Ausflüge zu Robbenkolonien oder Rundflüge über die Namib.

Das Klima unterscheidet sich deutlich vom Rest Namibias. Durch den kalten Benguelastrom bleibt es das ganze Jahr über angenehm kühl. Morgendlicher Nebel ist hier keine Seltenheit und sorgt dafür, dass selbst mitten in der Wüste Pflanzen und Tiere ausreichend Feuchtigkeit erhalten.

Für viele Reisende ist Swakopmund der perfekte Ort, um nach Tagen in der Wildnis einzukaufen, Wäsche zu waschen, das Fahrzeug neu zu organisieren und einfach einmal einen entspannten Tag zu genießen, bevor das nächste Abenteuer beginnt.

Bevor es ans Entspannen geht, schnüre ich noch einmal die Laufschuhe und drehe eine lockere Runde entlang der Promenade. Links der Atlantik, rechts die palmengesäumte Küste und die koloniale Architektur der Stadt – eine schöne Abwechslung nach den vergangenen Tagen im Damaraland.

Die Nacht verbringe ich im Budget Friendly And Modern Private Rooms. Nach vielen Tagen auf Campingplätzen ist es genau der richtige Zeitpunkt, den Overlander wieder auf Vordermann zu bringen. Das Auto wird ausgeräumt, neu organisiert, Kleidung gewaschen und alles für die nächsten Etappen vorbereitet. Auch das gehört zu einer längeren Overlander-Reise dazu.

Zum Tagesabschluss geht es in ein italienisches Restaurant direkt an der Küste. Mit einer Pizza, einem Glas Wein und Blick auf den Sonnenuntergang über dem Atlantik endet ein entspannter Tag zwischen Wüste und Meer.

28.06.26

Eine Campsite, die man nicht mehr vergessen möchte

Der Morgen beginnt in Swakopmund etwas anders als erwartet. Ich freue mich auf einen gemütlichen Kaffee und ein Frühstück, stelle aber schnell fest, dass überraschend viele Cafés noch geschlossen haben. Nach kurzer Suche finde ich schließlich doch ein kleines Café – genau richtig für einen entspannten Start in den Tag.

Anschließend geht die Reise weiter Richtung Süden. Über Walvis Bay verlasse ich die Küste und entdecke unterwegs die berühmten Flamingos in der Lagune, die hier zu Hunderten im flachen Wasser nach Nahrung suchen.

Kurz darauf lege ich einen Stopp am Vogelfederberg ein. Die markante Felsformation erhebt sich wie eine riesige Feder aus der Ebene und ist einer dieser Orte, an denen man automatisch zur Kamera greift. Von hier aus reicht der Blick weit über die umliegende Wüstenlandschaft. Es ist still, menschenleer und genau diese Ruhe macht den Reiz dieses kleinen Zwischenstopps aus.

Je weiter ich fahre, desto spektakulärer wird die Landschaft. Die Straße führt mitten durch den Namib-Naukluft-Nationalpark – vorbei an schroffen Bergen, weiten Ebenen und trockenen Flusstälern. Hinter jeder Kurve verändert sich das Panorama. Mal dominieren rötliche Felsen, dann wieder goldgelbe Grasflächen oder dunkle Bergketten. Diese Strecke gehört ohne Zweifel zu den schönsten Fahrten der gesamten Reise.

Am Nachmittag erreiche ich schließlich Camp Gecko – und bereits nach wenigen Minuten ist klar: Das wird einer meiner Lieblingsplätze in Namibia.

Die Campsites liegen weit voneinander entfernt und bieten viel Privatsphäre. Alles ist harmonisch in die Landschaft integriert, ohne den natürlichen Charakter zu verändern. Das absolute Highlight meiner Campsite (Eagle) ist jedoch die offene Sanitäranlage. Dusche, Waschbecken und Toilette befinden sich erhöht auf einer kleinen Plattform unter freiem Himmel. Während man duscht, schweift der Blick kilometerweit über die namibische Landschaft – ein Luxus, den kein Hotel bieten kann.

Als die Sonne langsam untergeht, verwandelt sich die Umgebung in ein Meer aus warmen Orange-, Rot- und Goldtönen. Ich sitze mit einem Glas Wein am Braai und genieße diesen besonderen Moment. Keine Geräusche außer dem leisen Knistern des Feuers, keine Hektik, keine Menschenmassen – nur die Weite Namibias und ein Sonnenuntergang, der die Landschaft in ein unglaubliches Licht taucht.

Es gibt Campingplätze, an denen man einfach nur übernachtet. Und dann gibt es Orte wie Camp Gecko. Für mich zählt diese Campsite ganz klar zu den schönsten der gesamten Reise – nicht wegen Luxus, sondern weil hier einfach alles stimmt: die Lage, die Ruhe, die Aussicht und das Gefühl, mitten in der Natur zu sein.

Camp Gecko ist eine kleine grüne Oase am Rand der Namib-Wüste und für uns einer der angenehmsten Zwischenstopps auf dem Weg nach Sossusvlei. Nach vielen Kilometern auf den typischen Schotterstraßen Namibias fühlt sich die Ankunft hier fast wie eine kleine Belohnung an. Die gepflegte Anlage mit ihren schattenspendenden Bäumen bildet einen wohltuenden Kontrast zur kargen Wüstenlandschaft und lädt dazu ein, für einen Moment das Tempo der Reise herauszunehmen.

Die großzügigen Stellplätze bieten viel Platz und Privatsphäre und fügen sich harmonisch in die natürliche Umgebung ein. Ein erfrischender Pool sorgt an heißen Tagen für die nötige Abkühlung, während das Restaurant mit seiner gemütlichen Terrasse den perfekten Ort bietet, um den Tag entspannt ausklingen zu lassen. Immer wieder lassen sich Oryxantilopen, Springböcke oder zahlreiche Vogelarten in der Umgebung beobachten, die dem Camp eine besondere Atmosphäre verleihen.

Camp Gecko eignet sich hervorragend als Ausgangspunkt für einen Besuch des Namib-Naukluft-Nationalparks und der berühmten Dünen von Sossusvlei und Deadvlei. Wer früh am Morgen aufbricht, erlebt dort eines der schönsten Naturschauspiele Namibias, wenn die ersten Sonnenstrahlen die gewaltigen Sanddünen in intensive Orange- und Rottöne tauchen.

Doch auch der Abend im Camp hat seinen ganz eigenen Reiz. Während die Sonne langsam hinter den Bergen verschwindet und die Temperaturen angenehm werden, kehrt eine wohltuende Ruhe ein. Mit einem kühlen Getränk in der Hand den Sonnenuntergang zu genießen und später den klaren Sternenhimmel über der Namib zu beobachten, gehört zu den Momenten, die eine Reise durch Namibia so besonders machen.

29.06.26

Sossusvlei – Magie aus Sand

Heute geht es zu einem der bekanntesten Orte Namibias: Sossusvlei. Am Vormittag erreiche ich Sesriem. Wie erwartet ist in der Hauptsaison nahezu alles ausgebucht. Eigentlich hatte ich auf einen Stellplatz in einem der Camps gehofft, doch überall heißt es: Fully booked. Zum Glück gibt es noch eine Alternative. Camp Oasis bietet einen Overflow-Campingplatz an – unkompliziert, ruhig und für eine Nacht genau das Richtige.

Sossusvlei & die Namib-Wüste

Die Namib gilt mit einem Alter von rund 55 bis 80 Millionen Jahren als die älteste Wüste der Erde. Über unvorstellbar lange Zeit haben Wind und Klima die Landschaft geformt und die gewaltigen Sanddünen entstehen lassen.

Sossusvlei liegt im Namib-Naukluft-Nationalpark und gehört zu den bekanntesten Naturwundern Afrikas. Der Name setzt sich aus „Sossus“ (etwa „Sackgasse“) und „Vlei“, dem Afrikaans-Wort für Salz- oder Lehmpfanne, zusammen.

Die Dünen zählen zu den höchsten der Welt und erreichen Höhen von über 300 Metern. Ihre intensive rot-orange Farbe entsteht durch Eisenoxide im Sand, die über Millionen Jahre verwittert sind. Je älter der Sand, desto kräftiger erscheint sein Rotton.

Die abgestorbenen Kameldornbäume im Deadvlei sind schätzungsweise 600 bis 900 Jahre alt. Weil das Klima extrem trocken ist, verrottet das Holz kaum – stattdessen bleiben die Bäume wie natürliche Skulpturen erhalten.

Die Kombination aus den roten Dünen, dem weißen Lehmboden und den schwarzen Baumgerippen macht Deadvlei zu einem der meistfotografierten Orte Afrikas – und zu Recht.

Die meisten Besucher kommen bereits früh am Morgen nach Sossusvlei, um den Sonnenaufgang und den berühmten Farbwechsel der Dünen zu erleben. Entsprechend belebt ist es zu dieser Tageszeit. Ich entscheide mich ganz bewusst für den Nachmittag. Zwar sind bei meiner Ankunft noch viele Menschen unterwegs, doch mit jeder Stunde wird es ruhiger. Die Reisebusse verschwinden, die meisten Besucher treten den Rückweg an und die Dünen gehören nach und nach wieder fast der Natur allein.

Das Licht steht inzwischen tiefer und taucht die Sandberge in dieselben intensiven Orange- und Rottöne, für die Sossusvlei so bekannt ist. Für mich gibt es deshalb keinen Grund, ausschließlich früh morgens hier zu sein. Am Nachmittag ist das Licht mindestens genauso beeindruckend – mit dem großen Vorteil, die einzigartige Dünenlandschaft in deutlich mehr Ruhe genießen zu können.

Meine Tour beginnt auf Big Daddy, mit rund 325 Metern eine der höchsten Dünen der Region. Barfuß geht es den schmalen Dünenkamm hinauf. Der feine Sand macht den Aufstieg anstrengend – jeder Schritt kostet Kraft, aber mit jedem Höhenmeter wird der Ausblick spektakulärer.

Oben angekommen liegt Deadvlei tief unter mir. Von hier führt der wohl spaßigste Teil der Wanderung direkt die steile Dünenflanke hinunter. Mit jedem Schritt rutscht man ein Stück im weichen Sand nach unten und ist innerhalb weniger Minuten dort, wofür der Aufstieg deutlich länger gedauert hat.

Unten angekommen durchquere ich das berühmte Deadvlei. Die schwarzen, mehrere hundert Jahre alten Kameldornbäume stehen wie Skulpturen auf dem hellen Lehmboden, eingerahmt von den leuchtend roten Dünen. Einer dieser Orte, die man schon unzählige Male auf Fotos gesehen hat – und die in Wirklichkeit noch beeindruckender wirken.

Von dort geht es direkt weiter zur Big Mama. Noch einmal heißt es: barfuß durch den tiefen Sand und hinauf auf den Dünenkamm. Auch von hier eröffnet sich ein fantastischer Blick über die scheinbar endlose Dünenlandschaft. Anschließend führt der Weg auf der anderen Seite wieder hinunter und zurück zum Parkplatz.

Zurück auf der Campsite klingt der Tag ganz entspannt aus. Nach der Wanderung durch die Dünen tut es gut, einfach einmal die Füße hochzulegen und die Erlebnisse Revue passieren zu lassen.
Mit einem Glas Wein am Braai färbt die untergehende Sonne die umliegenden Berge noch einmal in warme Rot- und Goldtöne. Langsam wird es still, der Himmel wechselt von Orange zu tiefem Blau und schließlich übernehmen unzählige Sterne die Bühne.

Ein Tag in Sossusvlei gehört zweifellos zu den Höhepunkten jeder Namibia-Reise. Und wenn der Abend dann genauso entspannt endet, wie der Tag beeindruckend war, bleibt eigentlich nur ein Gedanke: Genau deshalb liebt man das Reisen mit dem Overlander.

Die Oasis Campsite bei Sesriem ist der perfekte Ausgangspunkt für eines der größten Abenteuer Namibias: den Besuch der berühmten Dünen von Sossusvlei und des Namib-Naukluft-Nationalparks. Direkt vor dem Eingangstor zum Park gelegen, bietet der Campingplatz eine ideale Lage, um früh am Morgen aufzubrechen und die spektakuläre Landschaft zu erleben, bevor die größte Hitze des Tages einsetzt.

Nach der Anfahrt durch die endlose Weite der Namib wirkt die gepflegte Anlage mit ihren schattenspendenden Bäumen, grünen Bereichen und dem erfrischenden Pool wie eine kleine Oase inmitten der Wüste. Die großzügigen Stellplätze bieten ausreichend Platz und Privatsphäre, sodass man nach langen Fahrten über die Schotterpisten wunderbar zur Ruhe kommen kann.

Der große Vorteil der Oasis Campsite ist ihre Nähe zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Region. Von hier aus erreicht man die gewaltigen roten Sanddünen von Sossusvlei, das ausgetrocknete Deadvlei mit seinen jahrhundertealten Kameldornbäumen und den Sesriem Canyon bereits in den frühen Morgenstunden. Gerade das erste Licht des Tages, wenn die aufgehende Sonne die Dünen langsam zum Leuchten bringt, gehört zu den unvergesslichen Momenten einer Namibia-Reise.

30.06.26

Zu Gast bei Freunden am Mount D’Urban

Heute führt die Reise weiter zum Mount D’Urban, einem echten Geheimtipp im Süden Namibias. Schon die Fahrt dorthin ist ein Erlebnis. Immer wieder verändert sich die Landschaft – weite Ebenen wechseln sich mit schroffen Felsformationen, kleinen Gebirgsketten und offenen Tälern ab. Hinter fast jeder Kurve wartet ein neues Panorama.

Am Nachmittag erreiche ich die Campsite der Familie de Klerk. Schon bei der Ankunft wird klar, dass dieser Ort etwas Besonderes ist. Boeta und Mariette empfangen mich mit einer Herzlichkeit, als würde man sich schon seit Jahren kennen. Schnell kommen wir ins Gespräch und tauschen Reisegeschichten aus.

Dabei erfahre ich auch etwas über die Familie. Die Tochter lebt in Australien und kümmert sich von dort aus um das Marketing und die Buchungen der Campsite. Einer der Söhne bewirtschaftet eine Farm ganz in der Nähe – wobei „in der Nähe” in Namibia relativ ist: Rund 50 Kilometer entfernt. Ein weiterer Sohn lebt in Kapstadt. Trotz der großen Entfernungen ist sofort spürbar, wie eng die Familie miteinander verbunden ist.

Nach einem gemütlichen Plausch gibt mir Mariette den Tipp, auf den Berg raufzugzu fahren und dort die Abendsonne auf mich wirken zu lassen. Natürlich lasse ich mir das nicht zweimal sagen.

Mit dem 4×4 geht es über eine steile Farmpiste hinauf auf den Mount D’Urban. Oben eröffnet sich ein spektakulärer Blick über das weitläufige Tal und die umliegenden Berge. Kein Verkehr, keine Häuser, keine Geräusche – nur Wind und unendliche Weite. Ich bleibe eine ganze Weile dort oben stehen und genießen einfach die Ruhe. Es sind genau diese Momente, die Namibia so besonders machen.

Zurück auf der Campsite wartet der perfekte Abschluss des Tages. Während die Sonne langsam hinter den Bergen verschwindet, glüht der Braai bereits vor sich hin. Die letzten Sonnenstrahlen tauchen die Landschaft in warme Rot- und Goldtöne, bevor nach und nach die Sterne am Himmel erscheinen.

Nicht nur die wunderschöne Campsite macht diesen Ort unvergesslich. Es sind vor allem die Menschen. Die Gastfreundschaft der Familie de Klerk sorgt dafür, dass sich der Besuch weniger wie eine Übernachtung anfühlt – und viel mehr wie ein Abend bei Freunden.

Mount D’Urban Campsite ist ein kleiner, besonderer Campingplatz mitten in der beeindruckenden Landschaft des südlichen Namibias, nahe Helmeringhausen an der C14. Eingebettet zwischen den Bergen der Swartrand Mountain Range bietet dieser Platz eine perfekte Mischung aus Ruhe, Natur und Komfort. Gerade als Zwischenstopp zwischen Sossusvlei, Aus und dem Süden Namibias ist Mount D’Urban ein Ort, an dem man gerne länger bleiben würde.

Die großzügig angelegten Stellplätze liegen weit auseinander und bieten viel Privatsphäre. Jeder Platz verfügt über eigene sanitäre Einrichtungen mit Dusche und WC sowie einen eigenen Feuerplatz – ein Luxus, den man nach langen Tagen auf Namibias Schotterstraßen besonders zu schätzen weiß. Trotz der komfortablen Ausstattung bleibt der ursprüngliche Charakter erhalten: Man campt mitten in der Natur, umgeben von Bergen, weitem Buschland und absoluter Ruhe.

Nach der Ankunft lädt die kleine Poolanlage dazu ein, sich abzukühlen und die Aussicht auf die umliegende Landschaft zu genießen. Die Umgebung eignet sich hervorragend für Spaziergänge, Wanderungen, Mountainbike-Touren oder einfach dafür, die besondere Stille dieser abgelegenen Region auf sich wirken zu lassen.

01.07.26

Am Rand des Fish River Canyon

Der Morgen beginnt mit einer der schönsten Duschen der Reise. Unter freiem Himmel und mit Blick über das Tal fällt es schwer, sich von der Campsite am Mount D’Urban zu verabschieden.

Bevor ich losfahre, nehme ich mir noch Zeit für einen längeren Plausch mit Boeta. Aus einem kurzen Gespräch wird schnell eine unterhaltsame Unterhaltung über Namibia, das Farmleben und die schönsten Ecken des Landes. Natürlich gibt es auch gleich noch einige Tipps für den nächsten Roadtrip – schließlich kommt man nach Namibia nicht nur einmal.

Anschließend geht es weiter Richtung Fish River Canyon. Unterwegs lege ich einen Stopp am Naute Dam ein, dem größten Stausee Namibias. Die Region hat vor gut einer Woche außergewöhnlich starke Regenfälle erlebt – ein Ereignis, das laut den Einheimischen nur etwa alle zehn Jahre vorkommt. Entsprechend haben die Schotterstraßen gelitten. Immer wieder sind Auswaschungen und Wellblechpisten zu spüren, sodass die Fahrt deutlich langsamer verläuft als geplant.

Ein weiterer Pflichtstopp ist das Canyon Farm Yard. Der legendäre Apfelstrudel hat seinen hervorragenden Ruf absolut verdient. Bei einer Tasse Kaffee komme ich noch mit der Besitzerin ins Gespräch, bevor die Reise weitergeht.

Am Nachmittag erreiche ich schließlich den Fish River Canyon. Ich halte an mehreren Aussichtspunkten und jedes Mal eröffnet sich ein neuer Blick auf diese gewaltige Schlucht. Die Dimensionen sind kaum zu erfassen. Der Fish River windet sich tief unten durch den Canyon, während sich die Felswände kilometerweit bis zum Horizont erstrecken. Jeder Aussichtspunkt zeigt den Canyon aus einer anderen Perspektive – beeindruckend ist jedoch jeder einzelne.

Fish River Canyon

Der Fish River Canyon ist mit rund 160 Kilometern Länge, bis zu 27 Kilometern Breite und einer Tiefe von über 500 Metern der größte Canyon Afrikas und nach dem Grand Canyon in den USA einer der größten Canyons der Welt.

Entstanden ist die Schlucht vor etwa 500 Millionen Jahren durch tektonische Bewegungen und die jahrmillionenlange Erosion des Fish River. Besonders spektakulär wirkt der Canyon in den frühen Morgen- und späten Nachmittagsstunden, wenn das warme Licht die Felswände in intensive Rot-, Orange- und Brauntöne taucht.

Der Canyon gehört zum Ai-Ais/Richtersveld Transfrontier Park, einem grenzüberschreitenden Schutzgebiet zwischen Namibia und Südafrika. Besonders bekannt ist der Fish River Canyon Hiking Trail – mit rund 85 Kilometern einer der anspruchsvollsten Mehrtageswanderwege im südlichen Afrika. Er ist nur in den Wintermonaten geöffnet und gilt für viele Wanderer als echtes Abenteuer.

Auch wer nicht wandert, sollte sich Zeit für mehrere Aussichtspunkte nehmen. Jeder Blick zeigt eine andere Facette dieser gewaltigen Landschaft – und macht deutlich, warum der Fish River Canyon zu den beeindruckendsten Naturwundern Namibias zählt.

In diesem Jahr zeigt sich der Fish River allerdings von einer Seite, die nur wenige Besucher erleben. Durch die außergewöhnlich starken Regenfälle der vergangenen Wochen führt der Fluss ungewöhnlich viel Wasser – und das mitten im Juni beziehungsweise Juli. Normalerweise ist der Wasserstand zu dieser Jahreszeit deutlich niedriger, weshalb die Wintermonate als ideale Zeit für Wanderungen im Canyon gelten.

Genau dieser hohe Wasserstand hat jedoch auch Konsequenzen. Sämtliche Fish River Canyon Hikes, die ausschließlich während der Wintermonate stattfinden, wurden aus Sicherheitsgründen abgesagt. Die Flussquerungen wären an vielen Stellen schlicht zu gefährlich. Für die Wanderer sicherlich enttäuschend, gleichzeitig aber eine seltene Gelegenheit, den Canyon mit einem kraftvoll fließenden Fish River zu erleben – ein Anblick, den es nur in außergewöhnlich regenreichen Jahren gibt.

Am Abend geht es zurück zur White House Guest Farm, wo ich bereits vor zwei Wochen zuvor übernachtet habe. Inzwischen sind die Temperaturen deutlich gefallen. Nach Sonnenuntergang zeigt das Thermometer Werte unter dem Gefrierpunkt – ein starker Kontrast zu den heißen Tagen zuvor.

Zum Glück wartet noch ein besonderes Highlight. Die Gastgeber bereiten wieder ihr hervorragendes, hausgemachtes Abendessen zu und bringen es direkt bis zur Campsite. Draußen ist es inzwischen eisig kalt, also wandert das Abendessen kurzerhand mit in den Rooftop-Zelt. Warm eingepackt genieße ich den Tagesabschluss an einem eher ungewöhnlichen Ort – aber manchmal sind genau diese kleinen Momente die schönsten einer Reise.

Die White House Guest Farm bei Grünau ist einer dieser Orte, an denen man sich vom ersten Moment an willkommen fühlt. Nach einem langen Fahrtag genießt man die Ruhe der weiten Karoo-Landschaft und lässt den Alltag hinter sich. Die großzügigen Campingplätze bieten viel Platz und eine entspannte Atmosphäre – perfekt, um den Tag gemütlich ausklingen zu lassen.

Ein echtes Highlight ist das fantastische, hausgemachte Abendessen, dass direkt zum Campingplatz gebracht wird, sodass man den Sonnenuntergang ganz entspannt am eigenen Stellplatz genießen kann. Frisch zubereitet, reichlich und typisch namibisch – besser kann ein Reisetag kaum enden. Die herzliche Gastfreundschaft der Gastgeber macht den Aufenthalt zu etwas ganz Besonderem und sorgt dafür, dass viele Reisende gerne wiederkommen.

02.07.26

Zurück nach Hout Bay

Heute heißt es Abschied nehmen – zumindest für dieses Mal.
Am Morgen starte ich von der White House Guest Farm Richtung Süden. Eigentlich ist noch eine Zwischenübernachtung geplant, doch unterwegs entscheide ich spontan, die gesamte Strecke bis nach Hout Bay an einem Tag zu fahren. Ein langer Tag hinter dem Steuer liegt vor mir, aber manchmal fühlt es sich einfach richtig an, weiterzufahren.

Die Landschaft zieht noch einmal an mir vorbei. Die weiten Ebenen Südnamibias gehen langsam in das Northern Cape über. Kilometer um Kilometer begleitet mich die endlose Weite, die diese Reise so besonders gemacht hat.

Die Grenzüberquerung verläuft erfreulich unkompliziert. Sowohl die Ausreise aus Namibia als auch die Einreise nach Südafrika sind schnell erledigt, sodass die Fahrt ohne große Verzögerung weitergehen kann.

Am Abend erreiche ich schließlich Hout Bay. Ausgerechnet jetzt empfängt mich der Regen – nach mehr als zwei Wochen Sonne, Staub und endloser Weite ein ungewohnter Anblick.

Namibia begeistert immer wieder

Namibia hat mich auch auf dieser Reise wieder komplett begeistert. Knapp 7.000 Kilometer liegen hinter mir – voller neuer Eindrücke, beeindruckender Landschaften und vieler Momente, die in Erinnerung bleiben.

Die Route gegen den Uhrzeigersinn war für mich genau die richtige Entscheidung. Im Osten Namibias sind die Entfernungen deutlich größer und die Fahrtage entsprechend länger. Dafür gewinnt man schnell Strecke. Die landschaftlichen Highlights liegen für mich jedoch ganz klar im Westen – und auf dem Rückweg hatte ich dort die Sonne fast immer im Rücken. Das macht nicht nur das Fahren angenehmer, sondern sorgt auch für deutlich schöneres Licht.

Natürlich gehören Etosha, Sossusvlei, der Fish River Canyon, die Spitzkoppe oder das Damaraland zu den absoluten Höhepunkten. Was diese Reise aber besonders gemacht hat, waren die vielen außergewöhnlichen Campsites. In Namibia ist ein Campingplatz oft weit mehr als nur ein Ort zum Übernachten. Ob zwischen Granitfelsen, auf einer Farm, mitten in der Wüste oder mit einer Outdoor-Dusche unter freiem Himmel – viele Campsites werden selbst zu einem Highlight der Reise.

Ein weiterer Tipp: Lieber kürzere Tagesetappen einplanen. Auf den Gravel Roads sind 250 bis 300 Kilometer pro Tag völlig ausreichend. So bleibt genügend Zeit für spontane Stopps, kleine Wanderungen oder einfach einen entspannten Nachmittag auf der Campsite. Wer nicht hetzt, erlebt Namibia deutlich intensiver.

Und genau das macht für mich den Reiz dieses Landes aus. Es sind nicht nur die spektakulären Sehenswürdigkeiten, sondern die unendliche Weite, die Ruhe, die Gastfreundschaft der Menschen und die Freiheit, jeden Tag aufs Neue zu entscheiden, wo man den Sonnenuntergang genießen möchte.

Eines steht schon jetzt fest: Das war ganz sicher nicht meine letzte Reise nach Namibia. Es gibt noch unzählige Pisten, Landschaften und kleine Geheimtipps zu entdecken – und ich freue mich jetzt schon auf das nächste Abenteuer.